TIPPS und HINWEISE für EINSTEIGER
Lamas und Alpakas sind ganz wunderbare Wesen.
Nicht zu unrecht erfreut sich deren Haltung rasch wachsender Beliebtheit.
Um Ihnen als Interessenten an der Haltung dieser Tiere "böse" Überraschungen zu ersparen, haben wir hier einige
Tipps und Anregungen zusammengestellt. Diese sollten nicht als alleinig gültige Hinweise betrachtet werden,
sondern dazu beitragen, die Zahl derjenigen zu erhöhen, die über längere Zeit Freude an der Haltung und am
Umgang mit Neuweltkameliden haben.
In letzter Zeit mehren sich Berichte, wonach Alpakahalter/händler vor allem aus dem benachbarten Ausland
mit gewinnversprechenden Geschäftsmodellen Neueinsteigern Geld aus der Tasche locken.
Dabei werden angebliche Luxustiere zu stark überhöhten Preisen für eine Beteiligung angeboten. Der Tierpreis
wird vom Verkäufer festgelegt.
Da der Partner nur 50% des Tieres bezahlt, scheint die Summe nicht so stark überhöht zu sein.
Die versprochenen Gewinnerwartungen können aber nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen eintreten:
Dazu müssen für die Nachzuchttiere wieder gleichartig hohe Preise erzielt werden, das Verhältnis
Stuten - Hengste muss ausgeglichen sein, alle Tiere müssen jedes Jahr ein gesundes Fohlen gebären
diese müssen mindestens die Qualität der Elterntiere halten oder übertreffen.
Die Praxis sieht jedoch meistens ganz anders aus: da gibt es, genauso wie bei allen anderen Tierzuchtsparten auch,
Ausfälle, Totgeburten, Aborte,
mehr Hengste als Stuten, qualitative Abstriche besonders bei Importtieren, wo die Ahnen unbekannt sind, usw.
Ich möchte vor diesen Machenschaften, die eher einem Pyramidenspiel ähneln als einer Tierzucht,
eindringlich warnen!
Wie bei allen anderen
Handelsgeschäften kommt es leider auch in unserer Sparte immer wieder zu
unseriösen Machenschaften.
Der Verein ist stets bemüht, seine Mitglieder zu seriösem Umgang mit
Interessenten und Kunden anzuhalten.
Nicht immer gelingt uns das und wir erfahren von weniger seriösen Praktiken meist
erst, wenn Geschädigte sich melden.
Regsitrierungspapiere werden bewusst gefälscht, kopiert oder unrichtig
ausgefüllt, zuchtuntaugliche oder fehlgeprägte Tiere
werden an ahnungslose Neueinsteiger verkauft, etc.
Allein die Registrierung eines Tieres
sagt noch nichts über dessen Qualitäten aus! Dazu bedarf es einer Tierbeschreibung und anschließenden Bewertung.
Informieren Sie sich in eigenem Interesse
„BEVOR“ Sie Tiere kaufen bei einer neutralen Stelle, beim Vereinsregister,
bei Vorstandsmitgliedern oder bei anderen Haltern.
Registrierungspapiere sind nur echt mit dem Prägestempel, mit einer LRA-Nummer und mit der Unterschrift der Registrierungsstelle.
Wenn Sie Zweifel
haben, bezahlen Sie den vollen Kaufpreis erst nach Erhalt der Original
Papiere und fragen Sie zumindest beim
Register (register@lamas.at)
nach, ob die Tiere registriert sind!
Wir wollen viele Neuweltkameliden Halter kennen, die lange Zeit Freude an ihren Tieren haben.
Auch die Europäer
gewöhnen sich mehr und mehr an Lamas und trotzdem sehen wir uns immer wieder
mit der Frage konfrontiert:
„Wozu sind diese Tiere gut?“ Je mehr man sich mit ihnen beschäftigt, desto mehr
wird man von den Verwendungsmöglichkeiten
von Lamas erfahren. Sie sind sehr intelligent, neugierig, sanftmütig,
aufmerksam, relativ einfach zu trainieren und sehr sozial.
Sobald Sie die ersten Lamas selbst haben, werden Sie nie mehr nach dem Nutzen
der Tiere fragen. Die traditionelle Verwendung
von Lamas ist ihr Einsatz zum Lastentragen. Lamas sind sehr trittsicher und
verursachen kaum Trittschäden. Sie werden auch
in kleinere Wagen eingespannt und werden als Freizeit- und Hobbytiere immer
beliebter. Daneben liefern sie Wolle in vielen
verschiedenen Farben, die viele Lamahalter zu wunderbaren Produkten verarbeiten.
Lamas sind keine idealen Reittiere, obwohl
manche Lamahalter Kinder darauf reiten lassen. Sie sind ungefährlich im Umgang,
vor allem mit Kindern oder Menschen mit
besonderen
Bedürfnissen. Sie bringen Freude für die ganze Familie, können Sie bei
Wanderungen oder beim Joggen begleiten,
erregen Aufsehen bei Kinderpartys und werden immer mehr in der tiergestützten
Therapie eingesetzt.
Lamas können Ihren
Lebensstil positiv beeinflussen und wenn sie sorgfältig ausgewählt
werden große Freude über viele Jahre bedeuten.
Wie muss ich beginnen?
Es gibt viele
Verwendungsmöglichkeiten und sehr unterschiedliche Preise für Lamas. Bevor
Sie sich die ersten Tiere anschaffen
(Lamas sind Herdentiere und Einzelhaltung ist nicht erlaubt!), sollten Sie sich
umfassend informieren. Lesen Sie Bücher,
Fachmagazine, durchsuchen Sie das Internet, besuchen Sie viele Betriebe und
stellen Sie viele Fragen. Kaufen Sie NICHT die
ersten Lamas, die Sie sehen und nicht beim ersten Betrieb, den Sie kennen. Erst
nach eingehender Information sollten
Sie entscheiden, wofür Sie die Tiere einsetzen wollen, es gibt zu viele
unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten und zu
viele unterschiedliche Tiere.
Welche Ausbildung brauche ich?
Lamas und Alpakas werden immer wieder als pflegeleichte und problemlos zu haltende Tiere angeboten.
Trotzdem sind sie aber relativ große Tiere, die ein gewisses Maß an Pflege brauchen und gewisse Kenntnisse voraussetzen.
Als Tierhalter sind wir für deren Wohlergehen verantwortlich, wir müssen ihnen ihr Dasein möglichst artgerecht gestalten.
Für völlige Neueinsteiger in die Haltung von derart großen Tieren ist eine Basisausbildung in Haltung, Umgang und Pflege
mehr als empfehlenswert. Grundkurse werden von vielen Neuweltkamelidenhaltern angeboten.
Leider sind dies oft Workshops oder "Seminare" nach dem Motto: "Einsteiger für Einsteiger".
Was wollen Sie von Personen lernen, die selbst erst seit ein oder zwei Jahren Lamas oder Alpakas halten?
Was sollen Ihnen Leute erklären können, die wenige Tiere haben und damit selbst nicht zurecht kommen?
Wie können Sie von "Investoren" den Umgang mit Tieren erlernen, wenn diese nur die Verdienstmöglichkeiten sehen?
Es gibt Kurse, die eine staatliche Anerkennung als Befähigungsnachweis für die Haltung von Lamas
und Alpakas haben!
Selbst 30,- Euro sind rausgeschmissenes Geld, wenn Sie dabei nichts Wesentliches lernen
und einen Tag dafür verschwenden.
"Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte,
und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.
Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen.
Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen,
verlieren Sie manchmal alles,
da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.
Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten.
Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie das Risiko eingehen, etwas hinzuzurechnen.
Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen."
Jetzt weiß ich, was ich will!
Wie bei allen
Tiergattungen gibt es auch bei Lamas billige bis extrem teure Tiere. Der Preis
allein sagt bei Freizeit- und Hobbytieren
noch nichts über die Qualität aus. Ein billiges Tier muss nicht gleichzeitig ein
günstiges sein! Billige Tiere sollten nicht zur Zucht
eingesetzt werden, man wird mit ihnen immer wieder nur billige Tiere
produzieren. Verantwortungsvolle Züchter sorgen gut für ihre
Tiere, züchten verantwortungsvoll und produzieren nicht nur Tiere, für die sie
keinen Markt finden. Ein gutes Indiz für einen Vermehrer
ist die Tatsache, dass er mehr als nur 2-3 Fohlen jährlich hat, keines davon
trainiert ist, alle ungepflegt aussehen, lange Zehennägel
haben, die Haltung unsauber ist und auf Verlangen keine Aufzeichnungen für die
Tiere eingesehen werden können.
Kaufen Sie dort keine Tiere, auch nicht aus Erbarmen, dadurch ermutigen Sie
diese Leute nur, weiter zu vermehren. Seriöse Züchter
werden Sie auch nach dem Kauf unterstützen und vielleicht auch für die
verkauften Tiere gewisse Garantien anbieten.
Warum soll ich trainierte Tiere kaufen?
Auch wenn Sie mit
Ihren Tieren nichts großartiges unternehmen wollen, sollten Sie diese leicht
halftern können, die Beine heben
können, und sie berühren können. Sie müssen Zehennägel schneiden und ab und zu
müssen Injektionen verabreicht werden.
Lassen Sie sich vom Verkäufer zeigen, wie er das Tier halftert, probieren Sie
es selbst, gehen Sie einige hundert Meter mit dem
Tier. Wenn das nicht einfach ist, lassen Sie das Tier stehen! Untrainierte Lamas
und untrainierte Besitzer sind eine denkbar schlechte
Kombination! Machen Sie einen Trainingskurs, Sie haben viel mehrSpaß an Ihren
Tieren, wenn Sie geschult im Umgang sind.
Kann ich damit Geld verdienen?
Viele Leute haben Lamas oder Alpakas gekauft, um damit Geld zu verdienen und viele
Anbieter haben Tiere unter diesem Vorwand verkauft.
Vor allem werden Alpakas oft unter dem Aspekt angepriesen, dass man mit deren
Wolle die Anschaffungskosten
bald wieder zurückverdient oder sogar Geld verdienen kann.
Seien Sie sehr vorsichtig mit derartigen Aussagen!
Man kann mit der Verarbeitung der Wolle Geld verdienen, nicht aber mit der Wolle selbst. Es werden aus
Alpaka- und auch Lamawolle wunderbare Produkte hergestellt, zum weitaus überwiegenden Teil
in Handarbeit (In Handarbeit und Verarbeitung, steckt jeweils das Wort Arbeit drin, das bedeutet, dass
man mit der Arbeit Geld verdienen kann, nicht mit der Wolle selbst).
Ganz ähnlich ist es beim Einsatz der Tiere in der tiergestützten Arbeit. Dabei fließt auch nicht
Geld alleine deshalb, weil man die Tiere hat, sondern erst dann, wenn man teilweise aufwändige
Ausbildungen absolviert hat, wenn man mit den Tieren arbeitet. Allein die Anschaffung von zwei oder drei
"Therapietieren" bedeutet nicht, dass man ein Therapiezentrum betreibt!
Nur etwa 10-20 % aller Lamahalter und ein Drittel der Alpakahalter betreiben die
Haltung und Zucht professionell.
Diese Leute haben sehr viel Geld in ihre Herden und in die Infrastruktur investiert
und betreiben aufwändige Werbung dafür.
Beachten Sie diese Überlegungen vor Anschaffung der Tiere und lassen
Sie nicht nur euphorische "Werbeaussagen" in Ihre Überlegungen einfließen! Das könnte Sie vor späteren
Enttäuschungen bewahren. Fragen Sie "Investoren", wie viel Geld diese bereits in die Tierhaltung investiert haben und wie viel sie zurück
bkommen haben.
"Man kann mit Alpaka-Zucht ein kleines Vermögen machen - wenn man vorher ein großes gehabt hat!"
Der überwiegende Teil der Tierhalter macht das neben einem Beruf in Hobbyhaltung.
Man hält Lamas oder Alpakas, weil sie Freude machen, weil man Spaß an der einfachen Haltung hat,
weil man Freizeit- oder Begleittiere für die Familie haben will, usw.